A bissl brav sein
Bernhard Vosicky - 10. Aug, 09:57
Standard.at Redakteur Georg Brockmeyer schreibt in seinem aktuellen Kommentar von einer "zum Teil miserabelst gestalteten und gekennzeichneten Infrastruktur" die sich Fußgänger und Radfahrer teilen müssten. Da hat er nicht unrecht - zumal es teilweise tatsächlich, auch auf stark frequentierten Radrouten - keine, schlechte oder auch nur mangelhafte Kennzeichnung gibt. Was aber trotzdem kein Freibrief dafür ist mit dem Gedanken "Na wenns die nicht besser machen, fahr ich einfach wie ich will" am Verkehr teilzunehmen.
Als saisonaler Radfahrer (April bis Oktober) und Winter-Auto/Öffifahrer (der Rest des Jahres) begegnen mir am Weg zur und von der Arbeit ebenfalls tagtäglich Autolenker die Verkehrsübertretungen begehen, andere Verkehrsteilnehmer gefährden und sich definitiv nicht so verhalten wie es nach der StVO vorgesehen wäre. Gleiches jedoch beobachte ich bei meinen radfahrenden Kollegen. Ich spreche jetzt bewusst nicht von Radfahrern, weil das in meinen Augen diejenigen sind, die wissen was sie tun. Im Gegensatz dazu gibt es die "Menschen am Fahrrad", die offenbar schon alleine mit dem asynchronen Bewegen des rechten und linken Oberschenkels ausgelastet erscheinen. Hier gibt es definitiv ein Problem. Je besser das Wetter, je besser die Infrastruktur und je teurer der Sprit, desto mehr Menschen nützen das Fahrrad. Und - ums wienerisch auszudrücken - wo viele Menschen sind, sind auch viele Trotteln.
Was also tun, um diesen - durch einige wenige schwarze Schafe immer wieder aufkeimenden - Zwist zwischen Auto- und Radfahrern nach Möglichkeit zu entschärfen? Mein Vorschlag: Brav sein! Klingt komisch, is aber so.
Was spricht dagegen sich einfach an das zu halten was vorgeschrieben ist? Auch mit Beachtung der Verkehrszeichen und Ampeln ist das Fahrrad das schnellste Verkehrsmittel der Stadt! (Jedesmal ein kleines, gedankliches "Strike" wenn ich radfahrende Rot-Sünder bei der nächsten größeren Ampel, wo sie sich dann nicht trauen drüberzufahren, it dem eigenen Rad einhole) Auch mit Handzeichen kann man als Radfahrer dorthin gelangen wo man hin will und die Sache mit Telefonieren am Lenker und Alkohol möchte ich hier gar nicht ansprechen - das is selbstverständlich dass man das nicht macht.
Nummerntaferln lösen das Problem nicht. Außer dass die Exekutive mit hunderten Anzeigen ohne Erfolgsaussicht beschäftigt wäre und ihren wichtigeren Aufgaben nicht nachkommen könnte.
Eine mir sympathische Aktion wäre jedoch eine freiwillige Registrierung als "Rad-Streber" ähnlich wie das System, das es in anderen Städten für Taxi- und Firmenflotten bereits gibt. How's my driving? Oder Wie fahre ich? Damits auch jeder versteht. Was das bringen soll? Möglicherweise eine Auseinandersetzung mit der Materie StVO. Eine zumindest teilweise Aufhebung der - von autofahrenden Radfahrgegnern so oft kritisierten - Anonymität, allerdings ohne die Nachteile eines zusätzlichen, verpflichtenden Verwaltungsaufwands.
Die einfachste Lösung bleibt aber trotzdem: Das brav sein, an roten Ampeln und das akzeptieren der StVO. Und das Rücksicht nehmen - auf Autofahrer die's halt nicht besser wissen. Und das Bedanken - bei Autolenkern die sich so verhalten wie sie's sollen.
Ich setz mich jetzt aufs Fahrrad. 15 Minuten von Wien 5 ins alte AKH. Das schafft kein Auto und schon gar kein 13A. Vielleicht wärens 14 Minuten, würde ich mich nicht an Verkehrsregeln halten. Cool, 1 Minute und dafür wieder mal ein Vorurteil bestätigt...


